Zero Comments – Elemente einer kritischen Netzkultur

Das ist der Titel von Geert Lovink 3. Buch einer Serie mit Studien zur kritischen Internetkultur, das 2008 (in English 2007) erschienen ist.

„Zero Comments „ ist ein unterhaltsames Buch mit zynischen Zitaten oder Aussagen des Autors. Themen sind das Web 2.0, das Bloggen, Neue Medien etc. (siehe auch am Schluss des Eintrages – Inhaltsverzeichnis), diese Themen werden nicht wie häufig hochgelobt, sondern kritisch hinterfragt.

Wieso heisst das Buch Zero Comments? Wahrscheinlich weil bei Blog häufig kein Kommentar abgegeben wird und dann am Schluss eines Blogeintrages steht: (0) comments oder no comments.

 

 Der Autor Geert Lovink

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Geert Lovink (NL/AUS) ist Medientheoretiker und -aktivist, Internetkritiker und Autor, seine letzten Publikationen waren Dark
Fiber
(2002), Uncanny Networks (2002),  My First Recession (2003) und Zero Comments (2007).
Er war beteiligt an verschiedenen Medienprojekten in Osteuropa und Indien, ist Mitglied der Agentur Bilwet, dem niederländischen Autorenkollektiv von u.a. Bewegungslehre und Medienarchiv, Mitbegründer einer Reihe von Internetprojekten wie Digitale Stadt, Nettime, Fibreculture und Incommunicado sowie Ko-Organisator des Festivals für taktische Medien »Next Five Minutes«. Jüngere von ihm mitinitiierte Konferenzen befassten sich mit der Geschichte des Web-Designs, der Kritik von »ICT for Development«, öffentlichen Bildschirmen, Netz-Porno und Creative Industries. Seit 2004 ist er Direktor des Institute for Network Culture am Amsterdamer Polytechnikum (HvA) und Associate Professor im Fachgebiet Medien & Kultur der Universität Amsterdam. 2005-2006 war er Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg, wo er auch Zero Comments fertigstellte. Sein
blog: http://www.networkcultures.org/geert. (Biografie von hier)

 

Das Buch „Zero Comments“

Eine Pressestimmen und eine Beschreibung des Buches findet ihr hier von amazon.

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Hier ein paar Ausschnitte aus dem Buch, die nicht immer ganz ernst genommen werden sollten:

Bloggen ist eine Art Eitelkeitsjournalismus: Man kann es als „Paradigmenwechsel“ oder als „disruptive Technologie“ schönreden, in Wahrheit aber bestehen Blogs aus sinnlosem Teenager-Geschwafel. Sich für den Blogger-Lebensstil zu entscheiden, bedeutet soviel wie Billigschmuck an seinen Fahrradlenker anzubringen. In der Welt des Bloggens ist „0 comments“ eine unzweideutige Statistik, die besagt, dass keiner Interesse hat. Die schmerzliche Wahrheit über das Bloggen ist, dass viel mehr Leute Blogs schreiben als lesen.“ [Stodge.org, The Personal Memoirs of Randi Mooney, gepostet am 5. Mai 2005, (14) Kommentare] (Seite 9)

Trebor Scholz: „Against Web 2.0“: „Der Begriff Web 2.0 ist im Grunde eine weiter betrügerische Blase, die entworfen wurde, um Investoren Neuerungen vorzugaukeln. Das funktioniert wie bei McDonald’s: ewige Neuverpackungen von schmierigen Rindfleischschichten, um alle sechs Monate ein neues Produkt zu verkaufen.“ Nichtsdestotrotz sind die Anwendungen, die unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst werden, realtiv neu, wie auch die Millionen User, die soziale Netzwerke wie Digg und Facebook und Websites wie Wikipedia nutzen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die ökonomischen Prozesse, die über eBay oder craiglsit ablaufen. (Seite 21)

„Blogs operieren nicht in irgendeinem wilden, freien Internet „da draussen“, sondern schaffen ihre eigene, abgeschlossenen sozialen Netzwerke, die ihre Beziehungen mithilfe von Linkliste, Blogchalking, RSS-Feeds und ähnlichem weiter ausbauen. Blogs sind immer privat als auch öffentlich und zeichnen sich durch eine Kultur der ersehnten Zugehörigkeit aus. Der Zugang zum Verständnis von Blogs liegt irgendwo zwischen einer Analyse der Software-Funktionalitäten und der Kultur der Early Adopter, die die Blogosphäre erfunden und gestaltet haben“ (Seite 35)

„Nachdem er Hunderte von Tagebücher gelesen hat, kommt Mallon zu dem Schluss, dass niemand je ein Tagebuch nur für sich selber geführt hat. „Eigentlich glaube ich nicht, dass man sich selbst viel mehr Worte richten kann, als auf eine an den Kühlschrank geklebte Nachricht „Brot einkaufen“ passt“.“  (Seite 40)

Weiter Ausschnitte aus Zero Comments sind im Blogeintrag „Das Internet als Plattform für Kultur?!“ zu finden „Das Internet in unserer Kultur/Gesellschaft“ zu finden. 

 

Dark Fiber, das Vorgängerbuch

Vor Ostern habe ich nun auch endlich das Vorgängerbuch „Dark Fiber“ erhalten. Im Gegensatz zu Zero Commenst war ich von diesem Buch enttäuscht. Es ist von 2001, was man relativ schnell merkt. Aus meiner Sicht ist es sehr veraltet, was eigentlich auch kein Wunder ist, schliesslich ist das Buch 8-jährig und das Internet und die technische Entwicklung ist schon viel weiter fortgeschritten. Abgesehen davon, habe ich auch mehr erwartet von Dark Fiber. Es ist sehr subjektiv, ich hätte ein bisschen mehr Theorie erwartet, aber das war wohl eine falsche Erwartung was das Thema „Netzkritik“ anbelangt. Es ist etwa gleich kritisch wie „Zero Comments“, aber was interessiert mich das, dass Geert Lovink Hausbesetzer, Ökoaktivist etc. war? Das Buch ist wahrscheinlich interessanter für Leute, die im Alter von Geert Lovink sind, als für mich – ich war ihm Jahr 2001 15-jährig und habe mich damals weniger für die Internetentwicklung interessiert.

 

Das Buch Zero Comments ist bei Amazon (inkl. Beschreibung) erhältlich und enthält folgende Kapitel:

  1. Einleitung: Stolz und Ehre des Web 2.0
  2. Blogging – der nihilistische Impuls
  3. Das coole Obskure: Die Krise der Neue-Medien-Kunst
  4. Der Verbleib der deutschen Medientheorie
  5. Bloggen und Bauen: Die Niederlande nach der Digitalisierung
  6. Die Indifferenz der vernetzten Gegenwart: Über Internet-Zeit
  7. Wiederbegegnung mit der Sarai: Fünf Jahre Neue-Medien-Kultur Indien
  8. ICT after Development: Das Incommunicado-Programm
  9. Update der taktischen Medien: Strategie für den Medienaktivismus
  10. Axiome der freien Kooperation: Online-Zusammenarbeit auf dem Prüfstand
  11. Thesen zur verteilten Ästhetik
  12. Die Einführung organisierte Netzwerke: Auf der Suche nach nachhaltigen Konzepte

Das Internet als Plattform für Kultur?!

Kultur wird häufig auch mit Kunst in Kontakt gebracht.
Kunst im Netz ↔ Netzkunst

Es existieren diverse Websiten

  1. von Künstlern selber
  2. von Kulturinteressierte für Kulturinteressierte
  3. von Theater, Museen oder Galerien

 

1. Künstlern selber im Web

Zum einen bestehen Websiten von Künstler, die eine eigene Website neben Atelier, Galerie etc. als Plattform für ihre Kunst benutzen, zum anderen gibt es auch Künstler, die das Web als Basis für ihre Kunst verwenden.

Zitat dazu aus dem Buch „Zero Comments – Elemente einer kritischen Internetkultur“ von Geert Lovink:

„Neue-Medien-Kunst ist nach Definition des Australia Council ein Prozess, in dem Technologien von Künstlern genutzt werden, um Werke zu schaffen, die neue Formen künstlerischen Ausdrucks erforschen, Zu diesen neuen Technologien gehören Computer, Informations- und Kommunikationstechnologien, virtuelle oder immersive Umgebungen oder Technologie zur Klangbearbeitung. Sie sind die Pinsel und Stifte einer neuen Generation von Künstlern.“

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D.h. Kunst im Netz ist noch keine Internetkunst, dazu habe ich eine Radiosendung vom Schweizer Radio DRS gefunden mit dem Titel: Unbekannnte Internetkunst. Darin wird über das belgisch-holländische Duos Jodi berichtet und mit Annette Schindler, Leiterin und Kuratorin von Plugin in Basel, der einzigen Medienkunst-Institution der Schweiz, gesprochen.

Auch Verena Kuni, Kunst- und Medienwissenschaftlerin (Dr. phil., M. A.) und Professorin für Visuelle Kultur am Institut für Kunstpädogik der Goethe-Universität Frankfurt am Main, hat sich mit Netzkünstlern auseinander gesetzt. Sie hat eine Arbeit geschrieben mit dem Titel:

„Was ist ein Netzkünstler?“.

Beispielsweise thematisiert sie dort unter anderem die Definition „Ein Netzkünstler ist derjenige, der im Netz künstlerisch tätig wird und Werke für dieses Medium schafft.“ respektive sie zerlegt diese Aussage und hinterfragt diese kritisch.

Der Künstler Markus Huemer aus Deutschland verwendet beispielsweise das Web für seine Kunst:

Huemer gehört zur weltweit verstreuten Szene von Kreativen, die das Netz der Netze zum Thema ihrer Arbeit machen oder ihr uvre in und mit dem Internet erschaffen. Netzkünstler programmieren schrille Bilder, entwickeln sozialkritische Suchmaschinen, füllen Seiten um Seiten mit Buchstaben oder Zahlen und entführen Computernutzer in virtuelle Kunstwelten. Sie stellen Gedichte, Kompositionen, Filme, Fotos und Skulpturen in eigenen Cybergalerien aus. Sie verbinden das Internet mit anderen Medien, machen den Betrachter zum Mitkünstler oder zum Teil des Kunstwerks. Sie inszenieren globale Langzeitexperimente und virtuelle Musikhappenings. (aus dem Artikel INTERNETKUNST Schrille Werke
Multimedia der Wirtschaftswoche)

Künstler, die das Web nutzen, um ihre Kunst zu präsentieren:

 

2. von Kulturinteressierte für Kulturinteressierte

Hier eine kleine Auswahl von Kunstportalen resp. Kulturportalen:

Kultur Portal Deutschland ist eine Internetplattform für Kultur und Medien von Kulturinteressierten für Kulturinteressierte. Die Website bietet kulturelle Informationen und man kann sich Austauschen in kulturellen Belangen.

Der Kulturserver ist eine Kulturdatenbank, wo man bundesweit Veranstaltungen, Institutionen und Personen aus allen Bereichen von Kunst und Kultur finden kann. Wenn man im Bereich Kultur tätig ist, kann man auch selber Termine oder seine Einrichtung selber präsentieren.

Graubünden Kultur wirbt mit „Graubünden – Die schönste Bühne für Kultur.
Graubünden präsentiert: Kultur auf höchster Ebene.“. Auf jeden Fall ist diese Website eine Plattform für verschiedenste Veranstaltungen wie Festivals, Konzerte, Ausstellungen. Aber auch Bündner Museen, Bündner Kulturschaffende, Organisationen in unterschiedlichsten Bereichen wie Tanz, bildende Kunst, Architektur, Literatur etc. haben hier die Möglichkeit sich zu präsentieren.

konsortium.Netz.kultur ist der Zusammenschluss der österreichischen Initiativen an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und neuen Informations- und Kommunikationstechnologien.

 

3. Theater, Museen oder Galerien

Diese Institutionen sind an sich schon eine Plattform für Kunst/Kultur.