Kulturverlust

12. April 2009

Kulturverlust durch das Internet ?!

Auch hier zuerst die Begriffsdefintion von Kulturverlust von Brockhaus:

Kulturverlust, das teilweise oder gänzliche Verschwinden von Elementen, die eine Kultur konstituieren und tragen (Normen, Werte, Traditionen, Fähigkeiten, Fertigkeiten), infolge gesellschaftlicher Modernisierungs- beziehungsweise Umgestaltungsprozesse und/oder technischer Innovationsprozesse; seit den 1970er-Jahren überwiegend im Zusammenhang mit der Beschreibung des (dauerhaften) Verlustes der traditionellen Wert- und Normensysteme und Institutionen in Ländern der Dritten Welt verwendet, die ihre Gesellschaften nach dem Vorbild der westlichen Industriestaaten umgestalten. Dem Zerfall der traditionellen Kultur stehen dabei jedoch für die Mehrheit der Bevölkerung in der Regel nur sehr begrenzte Möglichkeiten (durch mangelnde Infrastruktur sowie Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten) gegenüber, die Kulturmuster der modernen Gesellschaft zu übernehmen, was in der Gegenbewegung auch die Rückwendung zu den (nun oft ideologisch überhöhten) traditionellen Kulturen zur Folge haben kann. 

Das Internet ist ein technischer Innovationsprozess und durch das Internt wurde die Gesellschaft auch modernisiert. Sind dadurch auch Normen, Werte, Traditionen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ganz oder zumindest teilweise verschwunden? Ganz verschwunden würde ich nicht sagen, jedenfalls kommt mir nichts konkretes in den Sinn. Teilweise verschwunden? Ich würde mal meinen teilweise verändert nicht verschwunden, zum Beispiel hat sich die Kommunikationskultur verändert, durch die technische Entwicklung hat man neue Kommunikationsmittel zu Verfügung.

Zum Thema Kulturverlust habe ich einige Tageschaubeiträge des Schweizer Fernsehen DRS zusammengestellt.

Das Internet als Ursache eines kollektiven Gedächtnisverlusts

Umberto Eco kritisiert das Internet im Tagesschaubeitrag von SF DRS am 26.03.2006:

umberto_ecoDas Internet ist nach Ansicht des italienischen Schriftstellers Umberto Eco daran schuld, dass die Europäer immer weniger über die Geschichte wissen.
«Der Geschichtsverlust, ein typisches Krankheitsbild in den Vereinigten Staaten, breitet sich leider auch immer stärker unter den jungen Europäern aus», sagte Eco dem Magazin «Cicero».
Das «Reich des Internets» trage erheblich dazu bei, diesen Verlust der historischen Perspektive zu beschleunigen, indem «einfach eine Masse ungeordneter Informationen» geliefert werde. «Ein Übermass an Informationen kann ebenso gefährlich sein wie zu wenig», meinte Eco.
Den Vereinigten Staaten drohen nach Ansicht des Autors dadurch inzwischen sogar der «Verlust ihres kollektiven Gedächtnisses».

 

 
 Portal für die deutschsprachige Literatur

Auf der anderen Seite hat der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann am 15. Juni 2006 das erste Literaturportal im Internet für den gesamten deutschsprachigen Raum freischalten.

Tagesschaubeitrag von SF DRS vom 15. Juni 2006:

literaturportal.de sei «ein Service für die Welt der Lesenden», das vom Deutschen Literaturarchiv Marbach erdacht und errichtet worden sei, teilte Neumanns Büro mit.
Es sei «eine zentrale Plattform zur umfassenden Information und zum Austausch über das literarische Leben» im deutschsprachigen Raum. Das Literaturportal soll als Dach fungieren, unter dem sich die verschiedensten Institutionen vernetzen können. Es biete nicht nur einen Überblick über die literarische Gegenwart, sondern speichere auch aktuelle Termine und Daten.
Neumann hat die Einrichtung des Literaturportals mit 150’000 Euro unterstützt und die Schirmherrschaft übernommen. Kooperationspartner des Projekts sind unter anderem das Goethe-Institut, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Deutsche Bibliothek sowie die Arbeitsgemeinschaft.

Blog für Literaturpreis nominiert

Tagesschaubeitrag von SF DRS vom 27. März 2006:

 baghdad-burning-12Das Internet-Tagebuch «Baghdad Burning» einer jungen Irakerin, das unter dem Pseudonym Riverbend geführte und weltweit beachtete Internet-Tagebuch einer jungen Irakerin, ist für den renommierten britischen Literaturpreis Samuel Johnson Prize von BBC Four nominiert worden.
In dem Blog hat die 26-Jährige, die in Bagdad als Programmiererin und Netzwerk-Spezialistin arbeitet, die Mühen des Kriegsalltags beschrieben und so einen ungewöhnlichen Einblick in den Irakkrieg abseits westlicher Berichterstattung gegeben.
Der mit 30’000 Pfund (rund 70’000 Franken) dotierte Samuel Johnson Prize für Non-Fiction-Werke wird am 14. Juni vergeben. Das Tagebuch, das kürzlich im Residenz Verlag auf Deutsch erschienen ist, hatte im Herbst beim internationalen Reportagepreis Lettre Ulysses Award den dritten Preis.  

Baghdad-Burning ist bei amazon erhältlich.

 

Meine Gedanken zum „Kulturverlust“

Nun ist das Internet schuld am Kulturverlust? Haben wir überhaupt einen Kulturverlust?

Ich denke, es gibt keine einzige Antwort auf die Fragen, denn es existieren schliesslich verschiedene Perspektiven und Meinungen. Man kann sich auch Fragen, ob das Internet eine positive oder eine negative Entwicklung darstellt. Aber wie es bei jeder Entwicklung ist, bringen Veränderungen positive und negative Aspekte mit sich.

Die Kommunikation wurde durch das Internet sehr vereinfacht, vor allem global gesehen. Ein Brief per einfacher Post von Asien nach Europa hat etwa 3 Monate, wenn alles gut geht. So habe ich beispielsweise die Weihnachtskarte von meiner taiwanesischen Kollegin zu Ostern bekommen. Per E-Mail oder Chat ist also einiges direkter.

Auf der anderen Seite existiert im Internet so einiger Ramsch. Nur schon was bei Youtube alles hochgeladen wird, manchen Menschen muss es schon sehr langweilig sein in ihrem Leben, damit sie überhaupt auf eine stupide Idee kommen und das auch noch „produzieren“.

Kulturen kommen und gehen und entwickeln sich weiter, d.h. Kulturen sind stämdig im Wandel. Daher finde ich, dass Internet erwirkt keinen Kulturverlust, sondern ist eine Weiterentwicklung – eine Leistung, die eine Gesellschaft zusammen erbringt (siehe auch Definition von Kultur in Blogeintrag 2). Laut Wikipedia ist die Netzkultur eine Subkultur und ist somit ein Teil unserer Kultur, sei es nun im Bereich Kommunikationskultur, Freizeitkultur oder Arbeitskultur.

Umberto Eco meint ja, das Internet ist die Ursache des kollektiven Gedächtnisverlustes – im Gegensatz dazu gibt es die kollektive Intelligenz, wobei bei Wikipedia auch gemeint ist, dass es sich auch um kollektivem (Un-)Wissen handeln kann. Ich denke es ist Ansichtssache und werde diese Frage offen lassen. Mit der Aussage: «Ein Übermass an Informationen kann ebenso gefährlich sein wie zu wenig» hat Eco schon recht, denn es werden soooo viele Informationen angeboten, dass man sich leicht verlieren kann. Schwierig finde ich auch, die Qualität von Informationen einzuschätzen resp. überhaupt qualitatives brauchbares Material zu finden, sofern man keine Zugriff auf Datenbanken hat.

Die junge Irakerin Riverbend hat übrigens den Literaturpreis, für den sie nominiert war, nicht bekommen … vielleicht ist es auch noch zu früh, dass ein Blog ein Literaturpreis bekommt, obwohl der Blog schon als Buch erschienen ist.

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Sind Internetbenutzer kultiviert?

Denn Kultur hat laut den Definitionen im 1. Blogeintrag auch mit Kultiviertheit zu tun:

2. ‹o. Pl.› a) Verfeinerung, Kultiviertheit einer menschlichen Betätigung, Äußerung, Hervorbringung: seine Stimme hat K. (klingt [aufgrund sorgfältiger Ausbildung] ausgewogen); sie machen in K. (ugs.; legen feine Manieren an den Tag); b) Kultiviertheit einer Person: sie besitzen [keine] K.; er ist ein Mensch ohne jede K.

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Nun haben Internetbenutzer Manieren, wenn sie surfen, Texte von anderen kopieren, ihre Meinung äussern in Foren, E-Mails schreiben, chatten, youtube-Filme veröffentlichen und und und … ?

Auf jeden Fall gibt es Unmengen von Checklisten, Regeln für ein einwandfreies Verhalten im Internet. Solche Verhaltensrichtlinien werden Netiquettes genannt.

Diese Etikette im Internet ist nur eine Empfehlung, an die sich der Internetbenutzer halten kann, sollte, aber nicht in jedem Fall muss.

Hier meine kleine Recherche nach Netiquettes im Internet:

Bei Foren scheint es mir, dass meistens strengere Netiquettes bestehen als z.B. bei E-Mails da sie häufig durch eine Redaktion kontrolliert werden, bspw. beim Beobachter.

Hier einen kurzen Ausschnitt aus der Foren-Netiquette des Beobachters, einer aktuelle Schweizer Konsumenten- und Beratungszeitschrift, ähnliches findet man aber auch bei vielen anderen Foren:

„Die Online-Redaktion behält sich vor, Beiträge, die strafbaren, beleidigenden, rassistischen, sexistischen oder anderweitig inakzeptablen Inhalts sind, ohne Rückfrage zu löschen.“

Weitere Punkte die häufig thematisiert werden: Werbung, Urheberrecht, Zitat, Anstand, Rechtschreibung …

Im Prinzip geht es immer um die gleichen Verhaltensregeln, die es auch im realen Leben gibt, ob es nun beim chatten oder mailen ist. Man sollte so mit Menschen umgehen, wie man selber gerne behandelt werden will.

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Für mich ist ein absolutes No-Go unbeantwortete E-Mails. Ich nerve mich jedes! Mal, vor allem wenn es sich um „geschäftliches“ oder „schulischem“ handelt, damit meine ich Anfragen für Praktikumsstelle oder auch bei der Suche nach einem Zimmer. Denn wenn man schon einen „Kontakt“ auf einer Website angibt, sollte man auch regelmässig die E-Mails checken, bei Abwesenheit ein Abwesenheitsmeldung einschalten oder wenn man im Stress ist, zurückschreiben, dass man sich so bald wie möglich meldet. Aber das ist eben nicht immer der Fall, wie ich schon häufig feststellen musste.
Bei privaten Mails finde ich es weniger schlimm, wenn sie mal jemand nicht gleich meldet, denn dort ist es häufig nicht so dringend oder wichtig.

Die Frage, ob nun Internetbenutzer kultiviert sind, lasse ich offen. Denn ich denke, dass kommt ganz darauf an, mit wem man in Kontakt ist, in welchem Forum man sich aufhält. Wie schon erwähnt, ist das virtuellen dem realen Leben doch sehr ähnlich und nicht alle Menschen wurden die gleichen Manieren vom Elternhaus mitgegeben.

Sinn und Zweck

Wieso habe ich den Begriff Kultur in meinem ersten Blogeintrag ausführlich definiert?
Ich studiere Informationswissenschaft an der HTW Chur und besuche im 4. Semester das Modul Informationsgesellschaft, -ethik, und -politik.

Weiter Informationen zum Modul IGEP, dass von Herrn Prof. Dr. Hans-Dieter Zimmermann unterrichtet wird, finden sie hier.

Der Leistungsnachweis für dieses Modul ist ein Blog sowie ein daraus entwickelndes Referat.

Jeder meiner Mitstudenten hat ein eigenes Thema und einen dazugehörigen Blog.

Hier die Themen der Informationswissenschaftsstudenten, die sie auch interessieren könnten:

Während 10 Wochen werde ich mich nun intensiv mit dem Thema „Kulturverlust durchs Netz versus Netzkultur“ beschäftigen.

Zu Beginn habe ich mich in meinem ersten Blog mit dem Begriff Kultur auseinandergesetzt. Denn Kultur hat nicht nur eine einzige Bedeutung und wird auch von jeder Person anders verstanden. Um die vielen Facetten von Kultur aufzuzeigen, habe ich vor allem nach Definitionen von Kultur gesucht.

In meinen nächsten Blogeinträgen werde ich weiter den Titel „Kulturverlust durchs Netz versus Netzkultur“ meines Blog auseinander nehmen und dann versuchen vertieft auf das Thema Netzkultur eingehen.

Momentan werde ich noch keine Themenabgrenzung vornehmen, sondern schauen, wo mich die Recherche-Reise „Netzkultur“ hinführen wird.

Was ist überhaupt Kultur?

20. Februar 2009

Was ist überhaupt Kultur?

Für dich? Für mich?

Für Menschen aus anderen Kulturkreisen?

Kultur ist sehr individuell, wie die Unterbegriffe von Kultur zeigen, die ich im Wortschatz der Universität Leipzig gefunden habe:

Leitkultur. Popkultur. Unternehmenskultur. Hochkultur. Subkultur. Jugendkultur. Alltagskultur. Erinnerungskultur. Baukultur. Industriekultur. Spielkultur. Streitkultur. Musikkultur. Monokultur. Esskultur. Reinkultur. Firmenkultur. Gegenkultur. Unkultur. Aktienkultur. Weltkultur. Populärkultur. Diskussionskultur. Wohnkultur. Massenkultur. Fankultur. Eventkultur. Gartenkultur. Lebenskultur. Lesekultur. Trinkkultur. Körperkultur. Freikörperkultur. Kommunikationskultur. Rechtskultur. Bestattungskultur. Medienkultur. Filmkultur. Fußballkultur. Netzkultur. Hauptstadtkultur. Maya-Kultur. Clubkultur. Laufkultur. HipHop-Kultur. Stadtkultur. Sprachkultur. Zeitungskultur. Gesprächskultur. Gedenkkultur. Tischkultur usw.

 

Nicht nur die Unterbegriffe sind sehr verschiede, sondern Kultur hat auch zum Teil unterschiedliche Synonyme wie

Anbau. Aufzucht. Bebauung. Bestellung. Bildung. Lebensart. Lebensstil. Lebensweise. Zivilisation. Zucht. Züchtung.

 

Zur Klärung des Begriffes Kultur, hier eine Definition aus dem Brockhaus:

Kul|tur, die; -, -en [lat. cultura = Landbau; Pflege (des Körpers u. Geistes), zu: cultum, Kult]:

1. a) ‹o. Pl.› Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung: die menschliche K.; die Abteilung für K. (Kunst u. Wissenschaft); ein durch Sprache und K. verbundenes Volk; führende Kräfte im Bereich von Politik und K.; von der K. [un]beleckt sein (ugs.; [un]zivilisiert, kulturell [nicht] entwickelt sein);
b) Gesamtheit der von einer bestimmten Gemeinschaft auf einem bestimmten Gebiet während einer bestimmten Epoche geschaffenen, charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen: die abendländische K.; primitive, frühe, verschollene, versunkene -en; die K. der Griechen, der Renaissance in Italien; ein Land mit alter K.

2. ‹o. Pl.› a) Verfeinerung, Kultiviertheit einer menschlichen Betätigung, Äußerung, Hervorbringung: seine Stimme hat K. (klingt [aufgrund sorgfältiger Ausbildung] ausgewogen); sie machen in K. (ugs.; legen feine Manieren an den Tag); b) Kultiviertheit einer Person: sie besitzen [keine] K.; er ist ein Mensch ohne jede K.